Sie kennen das auch. Es läuft nicht so richtig. Ein Wort, eine Empfindung oder eine gesehene Geste windet sich durch die Gedanken. Sie lassen nicht los, verdichten sich zu Fäden, später zu Tauen. Die Gedanken sind dann nicht mehr frei. Fehlt die Sonne dabei, die ein Stück Grau aufhellen könnte, ist die Schwermut nicht fern. Jedenfalls ging es mir gestern so und hielt mich vom Einschlafen ab. Als dann gegen 3 Uhr morgens die jungen Kunden der Studentenkneipe vor deren Tür die letzen Erkenntnisse austauschen oder sich erbrechen mussten, war es mit dem Schlaf ganz aus. Unausgeschlafen aber mit besseren Gedanken fuhr ich in Aveiro ab. Eine gewisse Lustlosigkeit blieb jedoch.
| Bahnhof von Aveiro |
| mit den typischen blauen Fliesen |
Ich suchte wieder Anschluss an die N 109 und wurde schnell fündig. Natürlich beginnt immer alles mit einem Berg: schöne 104 Meter wollten erklommen sein. Danach "hügelte" sich die Straße durch Land. Es schwankte zwischen 40 und 80 Metern. Keine steilen Steigungen. Man merkt sie aber.
Zwischendurch kam Hoffnung auf. Ein heller leichter Schatten schlich immer wieder einmal an meiner Seite mit. Er versprach mehr als er hielt. Der hellblaue Streifen über dem Horizont in
Richtung Meer, der wie ein feines Seidentuch unter den dunklen Wolken schwebte, versprach Trockenheit. In den Flussniederungen gab es wieder Störche. Ganze Kolonien hatten sich auf Masten versammelt. Viele flogen mit Nistmaterial im Schnabel nach Hause.
Ich war schon vorbei als sich das Bild einer Werkstatt für Holzfässer in meinen Augen schärfte. Ein kleines Stück zurück, das Rad abstellen und den hämmernden Tönen nachgehen. Ein Hof, belagert von Stämmen, Holzresten und Zugeschnittenem. Die Halle wirkt von außen dunkel. Ich gehe langsam vorwärts. Ein Arbeiter, er flext an einem Fass und deutet mit einem Kopfnicken in die Richtung eines Ganges. Mir kommt ein Mann entgegen. Nicht unfreundlich aber klar in seinen Bewegungen. Er sagt etwas. Mit Worten und Gesten vermittlere ich, wie ich unterwegs bin und mich gerne umsehen möchte. Er wird offen und freundlich, zeigt mir wo die Holzteile zu Fässern zusammen gebracht werden.
Drei Handwerker sind mit geübten Bewegungen dabei, Fässer zusammen zu fügen. Sie legen die Eisenringe um die geschwungenen Hölzer und schlagen sie fest. Meine Neugier freut sie. Ich darf fotografieren, zeige ihnen die Bilder und sie sind stolz auf ihre Arbeit. Es riecht nach Eiche, Staub schwebt in der Luft. Ich freue mich.
Im Hotel in Espinho kann ich meinen Schlaf nicht nachholen. Es wird gebaut. Also spazieren gehen. Früher fuhr die Eisenbahn durchs Städtchen. Jetzt hat man eine schicke Bahnstation unter der Erde. Dafür aber eine betonierte Schneise über den unterirdischen Gleisen die zeigt, wo früher die Bahn fuhr. Die Züge fahren bis nach Porto.
Im Restaurant esse ich eine wunderbare Fischsuppe. Sie heizt ein und mir läuft die Nase. Auch das Rindersteak ist zart. Ich brauche 'mal Eiweiß sonst baut sich kein Muskel auf, wo ich doch bestimmt schon drei Kilo Fett verbraucht habe. Der Rotwein ist süffig und eine Frage nach einem ortstypischen Schnaps wird mit einem Trester aus hellen Trauben belohnt.
Das Meer ist jetzt bis zur Strandpromenade gestiegen. Der halbe Mond lässt die Schaumkronen hell auf dem dunklen Wasser schwimmen. Sterne blicken zwischen den Wolken. Es kann nur besser werden.
| "ausgelegte Netze" |
| Am Strand von Espinho |
Ges. Km: 604,01
Wer war die/der tausendste Besucher/in?
Ach mein lieber Papi, denk immer dran ich radel mit in Gedanken.
AntwortenLöschenUnd weißt du warum du so schlecht drauf bist?! Weil du Herrn Hase vergessen hast! 😉
Halte durch und strampel tapfer weiter! Ich hab dich lieb.
Es muss immer weiter gehen um So Schneller bist Du wieder daheim und bei uns und außerdem ist Das doch so Ein Schönes Training für Patagonien
:-* <3
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenLass den Kopf nicht hängen. Wir wollen weiter deinen Blog lesen. Es wird wärmer. Das Hochdruckgebiet ist unterwegs. Wir denken an dich. Du schaffst das. Fühl dich umarmt.
AntwortenLöschenAch, du Ärmster. Ich schick dir hier mal schnell ein paar Sonnenstrahlen (allerdings nicht aus Berlin, denn wir haben ebenfalls keine).
AntwortenLöschenDie Fotos sind wieder absolut fantastisch, besonders hat es mir der Bahnhof von Aveiro angetan. Was für ein wundervolles Gebäude mit den blauen Fliesen ...