Montag, 23. März 2015

Da bläst mir der Wind ins Gesicht

Hurtiges Aufstehen schafft die besten Voraussetzungen für ein gutes Vorankommen. Man lebt in einem System, das sich so steuert, dass die eigenen Wünsche nicht immer im Gleichklang sind. Will man schnell einen Brief aufgeben, hat das fremde System dich schon in seinen Fängen. Die richtige Nummer auf dem Postamt ziehen und anstellen. Von 15 möglichen Schalter sind zwei offen. Einer für "besondere" Angelegen-heiten und einer für die "Post." Ich wollte nur Post. Die Dame arbeitet emsig. Hin und wieder muss sie mal nach Hinten, etwas fragen, ein Formular holen oder Geld wechseln. Gern hilft sie, den Faltkarton in die richtige Form zu bringen. Fast hätte sie das Formular für das Päckchen auch noch ausgefüllt. Der Kunde hatte ein Einsehen und füllte selbst aus. Da konnte zwischendurch der Nächste abgefertigt werden. Das System nahm sich von mir 36 Minuten plus sechs Minuten Brief aufgeben.

Dann konnte ich mich warm radeln und ein Foto vor dem Tor Lisboas machen lassen - und dann ging es richtig los. Schön auf der Schnellstraße Richtung Oeiras. In Caxias wollte ich auf die N 249-3 abbiegen, um nach Cacem zu gelangen. Gut gelaunt folgte ich dem Hinweisschild Cacem. Es folgten kleine Hügeleien auf und ab.

Wenn mir der junge Mann nicht mit seinem Auto vorgefahren wäre, hätte ich mich total verfranst. Die Straßenkarte ist leider immer noch so groß, dass nicht jedes Dorf darin verzeichnet ist. So hatte ich bereits mehrere Steigungen in den Beinen als ich in Sintra ankam, um von dort den Weg in Richtung Norden zu nehmen.

Die N 247 führt wunderbar an der Küste entlang. Immer wieder erhascht  man einen Blick auf das Meer. Sanfte Hügel mit grünen Wiesen, Gemüseflächen oder Pferdeweiden wechseln sich ab. Wenn nur der Nordwind nicht wäre. Im Laufe des Nachmittags steigerte er sich heftig. Der Fahrradlenker wollte gut festgehalten werden, besonders wenn eine Böe angebrettert kam.
Bei Terrugem

Mit ein paar Pausen im Windschatten schaffte ich es dann doch bis zum Tagesziel.

Bei solchen Bedingungen spürt man seinen Körper auf besondere Weise. Balance halten, vorwärts treten, Wind entgegenstemmen, Verkehr beachten, überlegen, ob die dickere Jacke besser wäre, sich an der Landschaft erfreuen und der Straße (hups schon wieder ein Schlagloch...). Eine Aufgabe, die ein komplexes und rasch reagierendes System benötigt, um sicher anzukommen (sh. Postamt).

Küste bei Corvoeira


Ericeira















In Ericeira leuchte mir ein Schild "Hostell 55" entgegen. Und siehe da, es war noch ein Bett frei. Mit Handtuch 15 €.

Es ist von jungen Surfern belegt. Italiener, Deutsche habe ich bereits kennengelernt. Alle haben natürlich die Tollsten Smartgeräte in Betrieb, während ich mit meinem alten Notbook versuche zurecht zu kommen
Herbergsvater, Küche im Hintergrund








Hoffentlich ist es morgen nicht so stürmisch. Ich würde gerne ein richtiges Stück vorankommen. Aber Sabine, die schon einmal hier gewesen sein muss, hat mich vor dem Wind gewarnt.


Km heute: 56,19; Ges. Zeit: 5:25;  Zeit i.Fahrt: 4:30 Std.
Ges. Km: 435,94




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