Dienstag, 24. März 2015

Dem Wind entgegen

Die ganze Nacht bemühte sich der Wind durch alle Ritzen ins Haus zu gelangen. Er rüttelte und schlug an allem was sich bewegen ließ. Ich bin froh, einen mummeligen Schlafsack dabei zu haben. Er hält schön warm.
Ein Töpfchen Tee, Zwieback und Sesamkrokant helfen mir am frühen Morgen auf die Beine. Schließlich geht es wieder dem Wind entgegen So richtig sonnig sieht es nicht aus. Mal sehen, wie es so wird. Vertraut man dem Hostelvater, bleibt es trocken. Ist doch auch was.

Auf der Strecke:
Der Wind weht heftig - von vorn'. Die Küstenstraße ist wunderschön. Hügel, immer wieder kleine Dörfer mit geduckten aber auch "feinen" Häusern. Schilder weisen zu Surferrevieren hin. Teilweise komme ich nicht über den vierten Gang hinaus und habe bedenken, dass die anderen Gänge einrosten könnten. Eine Böe fegt mich regelrecht von der Straße. Der Seitenstreifen ist breit genug, Ich kann abfangen.
Lkw's fahren immer im guten Abstand an mir vorbei oder schleichen solange hinter mir her, bis sie ordentlich überholen können.


 Beim heftigen Strampeln kommt mir der Gedanke, dass im Moment etwas mit meiner Planung nicht stimmt. Zuviel Energie für wenig Strecke. Ein Blick auf die Karte zeigt mir, wo der nächste Bahnhof ist ca. 19 km. Ich plane um. So wie hier die Fahnen wehen, ist kein gutes Fortkommen.
Wo die bunten Fahnen wehen




Landeinwärts weht der Wind häufig nicht so heftig, also drehe ich den Lenker in Richtung Torres Vedras. Von dort möchte ich nach Caldas da Rainha.

Vor Ts. Vedras




In Torres Vedras habe ich Glück. Der Schalter ist offen. Nun begebe ich mich wieder in ein System. Eine Dame möchte offensichtlich für eine ganze Gruppe Fahrkarten kaufen. Da muss die Dame am Schalter erst einmal heftig telefonieren. Dann muss die Dame vor dem Schalter telefonieren. Zwischendurch kann man nicht dem Nächsten eine Karte verkaufen. Die Schlange wächst.

Es entsteht Unruhe. Die Dame vor dem Scchalter ist jetzt fertig und erklärt mir freundlich (wir mit unserem Englisch), dass der Zug ausfällt. Der Nächste würde in gut zwei Stunden fahren. Da bin ich doch gleich in die nächst beste Pastelleria geradelt, habe etwas gegessen und so. Ein kleines Städtchen. Mich verwundert es, dass es immer viele recht neu erbaute Häuser in den Städten gibt (10  20 Jahre ?).

Als ich zum Bahnhof kam, wurde aus der Bahnfahrt erst einmal nichts. Der Zug hatte 50 Min. Verspätung. Ich musste mir warme Sachen anziehen, weil der Wind kalt und gemein um jede Ecke pfiff und kein geschütztes Sonneplätzchen gab.

Ts. Vedras
 
Hier habe ich gewartet. Jetzt bin ich in einem kleinen Hotel. Beim Stadtbummel kaufte ich mir eine Wollmütze, meine dünnen Haare halten keinen Wind mehr ab.


In 2:33 Std. 29,45 km geradelt - aber dank der Eisenbahn gut Strecke gemacht.

2 Kommentare:

  1. Na, da wäre wohl Berlin - Faro mit Rückenwind besser gewesen. Soll ich dir einen dicken Pullover schicken?Schade, dass ich dich jetzt nicht mehr im Hintergrund sehe, aber so kann man sich mehr auf Text und Fotos konzentrieren.

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  2. Du bist ja wirklich tapfer und mutig, Rüdiger. Bei solch einem Wetter - vor allem bei solch einem scharfen gemeinen Wind - bleibe ich in der Regel schön zu Hause ...

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