Mittwoch, 25. März 2015

Brücken zwischen Plan und Wirklichkeit

Im Hotel Aviz in Figueira da Foz wurde ich gleich mit: „Hallo, Rüdiger…“ angesprochen, kaum das ich die Eingangstür austieß. Ein Teil der Lebensgeschichte des Besitzers war ein langer Aufenthalt in Münster Westfalen. Er hatte dort als Amateurschiedsrichter viele Spiele gepfiffen und konnte Anekdoten von Fußballspielen zwischen Gastarbeitern erzählen. So schnell kam ich nicht in mein Zimmer. Das Hotel liegt ca. 4 Minuten vom städtischen Strand entfernt und wirkt gemütlich aufgeräumt.

Beim Aufstehen strahlte mir heute Morgen ein blaue Himmel durchs Fenster. Gute Aussichten. Leider ließ der Blick in den Hof keinen Aufschluss über den Wind zu. Ein Schritt vor die Tür auf dem Weg zum Frühstück belehrte mich. Der Wind wehte schwächer aber immer noch kalt. Da war der Griff zum Zugfahrplan leicht. 11:11 Uhr sollte der Zug fahren. Er sollte mich ein gutes Stück voranbringen.
Bahnhofsuhr
ohne
Verspätung

Bahnrad


So blieb Zeit für einen kleinen Stadtbummel. Fußgängerzone mit ordentlichen Geschäften und ein Wochenmarkt. Die Märkte sprechen mich mehr an als Modeläden. Die Orangen mit ihren kräftigen Farbe, der wuchtig grüne Endiviensalat, die roten Äpfel oder die Blumen sprechen deutlicher meine Sprache. Marktfrauen in dicken Jacken hinter den Ständen lachen, wenn man mit ihnen einen Scherz versucht. Sie beziehen die Nachbarin mit ein und lachen „über mich.“ 



Die restliche Zeit bis zur Zugfahrt verbrachte ich in einem Cafe. Ich habe ein kleines Büchlein mit. Dort schreibe ich Daten und Gedanken hinein, irgendwie muss man sich austauschen (die Gedankenfülle abladen). Manches findet sich dann im Blog wieder.

Jetzt sitze ich in einer Snackbar. Der Blick geht über die Straße zur Strandmauer, weiter über den 300 m breiten Sandstrand zum Meer. Die schmalen Straßenbäume werden vom Wind immer noch heftig geschüttelt. Schäumend werden Wellen auf den flachen Sand geworfen und ihre Gischt vom Winde in eine weiße Fahne verwandelt. Die Sonne scheint. Spazieren gehen kann man nur mit einer dicken Jacke. Hinter dem Fenster der Bar ist warm, ich kann baumeln lassen.

Die Bahn kam zu spät. Es gibt immer wieder Menschen, mit denen eine Verständigung in Englisch möglich ist. Ich musste nicht allzu dumm rumstehen. Für 8,25 € fuhr ich 82 km bis Lourial/Vieirinhos. Die restlichen ca. 20 km wollten geradelt sein. Kurz nach dem Bahnhof befand ich mich auf einer vierspurigen Bundesstraße mit einem breiten Randstreifen. Dort wo die Straße von Eukalypthusplantagen oder Kiefern gesäumt war ging es mit dem Wind.
Er kam von rechts vorn‘, später ganz von vorne.  Im Schnitt waren 13 km/h "drin.".


...nur die kleine Brücke...


An einer kleinen Ausfahrt stand eine junge Frau. Sie rauchte und hatte eine braune Tasche umgehängt. Sie lachte und rief und winkte mir zu. Wahrscheinlich so etwa: „Halte durch, du schaffst das….“ Etwas später auf einem größeren Parkplatz, auf dem neben einem mehrachsigen Kühltransporter ein kleines rotes Auto stand, winkten mir wieder zwei junge Frauen zu. Ich hielt an und bedankte mich für die Anteilnahme und Unterstützung. Wir unterhielten uns eine wenig. Ich verstand, dass ich doch im roten Auto mitfahren sollte. Dafür bot ich die Mitfahrgelegenheit auf meinem Rad an. Jedenfalls teilten wir uns zu guter Letzt einen Müsliriegel und verabschiedeten uns lachend. Das Leben kann so einfach sein.


Das schönste kam erst noch. Die große Brücke über den R. Mondego. Erst kam ein kleine. Von ihr aus hatte ich einen weiten Blick über kleine abgeteilte Wasserflächen (früher Salzgewinnung).
Dahinter erhob sich ein zweites Brückengebilde weit in den Himmel hinein, kräftige Stahlseile halten die Straße zwischen mächtigen Pfeilern. Bis zu ihrem Scheitelpunkt waren es geschätzte 60 - 80 Meter. "Na, zum Glück muss ich nicht darüber fahren, denn auf der Karte war nur eine Brücke zu erkennen. Ich bog rechts vor der Brücke ab, um über eine vermutete Nebenstraße F.d. Foz zu erreichen. Die Straße endete abgebrochen vor dem Fluss. Früher gab es hier eine Brücke.

Es ist nichts leichter, als eine Entscheidung zu revidieren, wenn man sich dem Weg ergibt und mit entschlossenem Langmut Herausforderungen angeht. Die ersten 600 m gingen ja noch. Dan wurde der Wind so heftig und durch vorbeieilende Lkw's derartig verwirbelt, dass ich  kaum noch das Rad halten konnte. Bei wem die Vernunft siegt, der schiebt. Bis oben hin musste ich mich heftig gegen die Böen stemmen. Mit den gut 82 km hinter mir, konnte mich nichts schrecken. Erst auf halber Strecke abwärts bestieg ich das Rad und konnte ohne Umwege mein Hotel erreichen.

Vorangekommen: ca. 104,2 km
davon geradelt knapp 2 Std., rd. 23 km.

Ges Km/Rad: 488,39          Strecke ges.: 629,39 km

Kein schlechter Schnitt oder?

Die/Den 1000. Besucher/in lade ich  zum Essen, Trinken und einem "Plauderstündchen" zur Reise ein. Müsste sich aber irgend wie erkennbar machen.


Gruß vom Strand

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