Dienstag, 31. März 2015

Heute hat es gebrannt

Heute morgen wollte ich schreiben, "die aschgraue Fratze des atlantischen Wolkenbandes schlug mir bei Aufwachen jäh ins Gesicht..." So etwas passt in einen Krimi aber doch nicht in einen Reisebericht. Außerdem fällt man dann vom Schlag getroffen gleich wieder in die Kissen und steht nicht mehr auf. Deswegen schreibe ich lieber:
Am Morgen nehmen hellgraue Wolken der Landschaft die Farbe. Es gibt kein helles freundliches Steingrau am Himmel. Ohne Schatten entstehen keine Farben.

Gestern hatte ich Sone getankt aber das Bein wollte beim Aufsitzen trotzdem nicht so elegant über den Sattel schwingen. Im Trüben zu fischen kennt jeder aber im Trüben zu radeln? Ich hatte Einiges vor mir. Bei solchen Etappen herrscht Vorfreude darauf, wie das geschafft wird aber auch Bedenken, wie z.B.: hoffentlich dauert das Elend nicht so lange.

Viel können nicht verstehen, was mich bewegt, solche Touren zu unternehmen. Es gibt mehrere Gründe. Einer ist die Wandlung von Energie in Bewegung.

Eine ganze Weile fuhr ich im Grau. Die hellgelben Primeln in den Gesteinsritzen, Vorsprüngen und Graskissen, wollten noch nicht so recht leuchten. Doch bald bekam das helle Grau erste Sonnentupfer. Mit jedem Zahn, den die Sonnen höher stieg, konnte sie den Wasserdampf auflösen und bald war der Himmel blau und weit. Nach Geres schlängelte sich Straße, wie eine ordentliche Gebirgsstraße es tut, in Serpentinen den Berg hoch. Die Straße war gesäumt von Eichen, Buchen und
Mannshohes Erika. Auf einigen Flächen wächst es so stark, dass man es von Weitem sehen kann.

Die erste Pause nach gut einer Stunde. Wasser, Fruchtschnitte und Rotorengebrause.

Am späten Morgen bekam Enrike Camareros einen Telefonanruf. Seine Frau hatte ihm gerade das Frühstück auf den Tisch gestellt. Der Anrufer meldete er habe auf der Straße oberhalb von Torneiros
Rauchschwaden gesehen. Er vermute einen Waldbrand. Enrike wusste als Polizeiinspektor bescheid und rief den örtlichen Feuerwehrkommandanten an. Der rief seinen Stellvertreter an und gemeinsam fuhren sie zum Brandherd. Sie konnten nichts ausrichten. Durch den Wind angefacht, hatte der Brand die Größe von mehr als 8 Fußballfeldern angenommen. Es breitet sich weiter über den Hang aus. Insbesondere eine Schneise war betroffen. Der Wind fegte hier besonders heftig hoch.
Der Kommandat griff zum Diensthandy und löste den Alarm aus. Die ersten Geländefahrzeuge der Bombeiros trafen ein. Es war für ein schnelle Bekämpfung zu spät. Hubschrauber mussten angefordert werden. Ich habe vier gezählt die unablässig mit riesigen Wassersäcken angeflogen kamen. Als ich gegen 14:00 in Grou war hörten die Flüge auf. Sie hatten das Feuer unter Kontrolle.

Beeindruckend wie mutig Männer in gelben Schutzanzügen dem Feuer entgegentraten.



Inzwischen hatte ich drei Pausen und weitere 600 Höhenmeter, die ich zwischen 420 und 645 Metern "erwarb" hinter mir. Es sollte aber noch einmal auf 700 m hochgehen. Ein bisschen ist es wie Marathon. Lediglich die Atmung ist nicht so schnell  und Puls nicht so hoch. Die Atmung ist bei solchen Touren entscheidend.  Dort wo Spannungen auftreten muss hin geatmet  werden. Spannungen sind hinderlich. Langsam angehen und sich  nicht schrecken lassen. Die nächste Steigung kann man nicht verhindern und das Gepäck will mitgenommen werden. Der kleine Blick in die Gegend hilft ebenfalls. Der Bach, der am Straßenrand entlang rinnt oder die Bäche die über Stufen springen.

Naturbadestelle auf dem Weg

Alter Speicher, Rattenschutz


Hier in der Kneipe des Hotels saß Ruben. Sein Großvater wurde in Siegen geboren. Er lud mich ein, heiße Quellen zu besuchen. Wir fuhren mit dem Auto hin. Einheimische lagen in gemauerten Becken, die aus der Römerzeit stammen könnten. Ganz normal, aus dem Dorf neben an. Leider hatte ich die Einladung nur halb verstanden und so konnte ich nur ein Fußbad nehmen. Sie sprudeln neben dem Stausee aus der Erde. Man sitzt im Becken, schaut über den See und der Blick ruht auf bewaldeten Hügeln. Ein kleiner Weiher bringt mit seinen roten Dächern Farbe in das Olivgrün. Eine schöne Idee. Leider hatte ich den Fotoapparat vergessen.

Ich bin ins erst Hotel gefallen, welches mir in Bande über den Weg lief. Hier sitze ich jetzt und warte auf  das Essen.





1 Kommentar:

  1. Oij - ein Waldbrand wäre nicht gerade das, was ich sehen könnte, ohne vor Angst zu schlottern, Rüdiger.
    Und noch eine Frage zum letzten Bericht: Sind die Objekte auf dem "Foto für Insider" Vogelhäuschen? Die sehen ja schick aus. ...
    Beeindruckend sind für mich auch deine Infos darüber, wie du dein Vorgehen für deine tägllichen Touren beschreibst wie diszipliniert du da mit dir selbst umgehst
    Ich wünsche dir einen richtig guten Tag, mit noch mehr blauem Himmel als gestern (*grins* - zunächst hatte ich geschrieben: "mit noch mehr blauer Sonne") ... :-)

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