Sonntag, 19. April 2015

Ende in Bordeaux

Garu wie die Sandsteintürme der Kathedrale hingen am Freitag die Wolken über Bordeaux. Vom Hotel aus fahre ich doch weiter als gedacht zum Altastadtzentrum (8 km). Zwischendurch lasse ich mir von einer einer kleinen drallen aber flinken Friseurin die Haare auf "Facon" bringen. Die Azubi wäscht mir die Haare, darf zuschauen  und zuhören. Natürlich  geht es darum woher ich komme und was ich mache. Das kann ich inzwischen gut erklären. Das immer nochmal nachgefragt wird, ob ich wirklich aus Faro komme, ist mir inzwischen vertraut.

Die Altstadt von Bordeaux ist Unesco Weltkulturerbe. Kein Wunder bei einer 2300 Jahre (Kelten, Römer, Franken) währenden Geschichte und einem guten Zustand der Altbauten. Aus diesem Grund dient dieser Teil der Stadt in vielen Filmen als Kulisse.

Die meisten Häuser sind aus Sandstein errichtet. Ihre Fassaden sind gemütlich mit Gesimsen und Vorsprüngen geschichtet. Sprossenfenster, in bürgerlichen Häusern schön groß, nehmen den Bauten die Schwere. Schmale Gassen zeigen die dichte Bebauung, die Nachteile hat. Viele, viele schwarzgraue

Nager treiben im Dunkeln ihr Unwesen. Die Stadtverwaltung kämpft dagegen an. Stadttore weisen den Weg aus der Stadt. Sie sind beeindruckend. Eines trägt eine große Glocke. Sie ziert wohl auch das Stadtwappen.

Die Kathedrale Saint-André ist ein gotisch-romanischer Bau. Innen öffnet sie sich zu einem weiten hohen Saal. Es findet viel Licht darin Platz. Sie wirkt nicht so düster.

In der Umgebung finden sich Plätze mit Bars und Brasserien. Man sitzt trotz der frischen Temperatur draußen und plaudert.

Ich habe ein Büchercafè gefunden, gemütlich  und originell. Dort bin ich nicht der Einzige der schreibt. Der junge Mann am Nebentisch erzählt mir auf Englisch, dass das Deutsche Generalkonsulat einen Sitz in Bordeaux hat. Das kann ich bei dem Wein und den Austern gut verstehen. Ich verstehe auch, dass die Stadt Michel de Montaigne, einem bekannten Philosophen und Humanisten als Bürgermeister hatte.

Um in die andere Stadthälfte zu gelangen, muss die Garonne überquert werden. Eine Brücke mit vielen Bögen überspannt den Fluss. Für damalige Zeiten eine Meisterleistung, weil die Strömung, die durch die Gezeiten des Meeres noch angeheizt wird, die Stützpfeiler reißend umspülen.

Der "Ku'damm" von Bordeaux
Morgen findet ein Abendmarathon statt. Der Startpunkt ist am Fluss und dort herrscht reges Vorbereitungstreiben.

Den Marathon musste ich laufen lassen. Ich hatte schlecht geschlafen und außerdem regnete es. So saß ich im Hotel auf der Bettkante und nähte  meine Radverpackung. Sie ist recht hübsch geworden. Hoffentlich hält sie, was sie verspricht.

Als ich am Sonntag gegen Mittag, in die Stadt hineinradelte, hatte ich den Eindruck, die Menschen sind mit den Kehrfahrzeugen des gestrigen Laufes weggefegt worden. Vorher hatte ich aber noch ein nettes Erlebnis. Auf einem Markt vor einer "Kaufhalle" wurden an mehreren Ständen austern verkauft. An der Seite eines Kleinlasters hatten Männer ein Klapptisch aufgestellt. Darauf standen Weingläser. Ich fragte ob ich mal Austern probieren könne. Sie lachten. Ich konnte.
Mit geübter Hand wurden mir drei Stück geöffnet. Sie sahen gespannt zu, wie ich die "Dinger" wegsaugte. Wo ich herkomme und was ich hier mache. Meine Antwort kommt schon ganz gut "rüber." Für die Austern zahlte ich einen Euro.

Erst später waren wieder mehr Einheimische unterwegs. Das Wetter war immer noch trübe. Da bieten sich  Museumsspaziergänge an. Das "Musee des beaux-arts de Bordeaux" und das "Musee d' Aquitaine de Bordeaux" waren ein gelungener Zeitvertreib. Ich schaue mit gerne Ausgrabungsstücke und alte Werkzeuge an.
Immer wieder die Mutter

Das Beil, Geschossspitzen, Krüge etc. sind in ihrer Grundstruktur bis heute unverändert geblieben, das finde ich beeindruckend. Die vielen Bilder mit religiösen Themen werden langsam Langweilig. Die Motive gleichen sich doch  zu sehr.
Morgen früh werde ich mit dem Rad 20 Min. zum Flughafen fahren. Die Demontage und Verpackung erledige ich dort, da ich alles gut vorbereitet habe, müsste es klappen.

Eine solche Reise bleibt nicht ohne Folgen. Sie erzeugt Veränderungen, Manche sind schnell erkennbar, andere kommen erst mit der Zeit. Hinterher ist man nicht mehr der Selbe. Ein paar "Dinge" möchte ich ändern, 'mal sehen wie das ankommt.

Danke an Alle, die mich lesend und schreibend begleitet haben. Eure Beiträge haben mich getragen. Vielen Dank. Hier bringen die Kastanien gutes Grün in die Stadt. Ihre Kerzenblüten beginnen erstes Weiß zu zeigen, hier ist Frühjahr.


Donnerstag, 16. April 2015

Der Himmel weint

Von Biarritz nordwärts ist die Küstenlinie flach. Anhäufungen von Dünensand bilden hier und da Hügel. Sie stören beim Fahren nicht, eher bieten sie eine Abwechslung wenn man eintönig strampelt.

Es ist mein letzter richtiger Tourentag. Knapp 70 km liegen vor mir. Eine flache Strecke. Die Düne von Pyla verabschiedet mich mit einem beeindruckenden Anblick.
 Leider ist das Licht in den Wolken hängen geblieben und so wirken ihre Flanken platt. In der Nach fielen Regentropfen. Ich  bekam schon Schiss, weil ich lieber ein trockenes Zelt einpacke. Letztlich war es nicht so schlimm. Meine Stimmung hat sich dem trüben Wetter angepasst.

Es ging ein letzten Mal durch Pinienwälder, die heute nicht so verschwenderisch mit ihren Blütenpollen waren. Zwischendurch gab es immer wieder Regentropfen. Zu wenig, um die Regenjacke raus zu holen. In Teste musste ich den Weg zur D 1250 suchen. Bei Biganos fand ich die Straße, die sich fast schnurgerade bis nach Bordeaux zieht. Sie ist gut befahren, Teilweise gibt es Radwege.

Wehmut stellt sich ein. Eine spannende und schöne Tour findet ihren Schluss. Wehmut auch, weil die Herausforderung bald fehlen wird. Aber wie immer gibt es bestimmt Neue. Die schönen und beeindruckenden Landschaftserlebnisse  und die Begegnung mit Menschen, deren Sprache ich nicht verstehe aber mit denen ich mich trotzdem austauschen konnte werden ich vermissen. Aber auch das ist nicht so schlimm, es kommt oft genug vor, dass man sich unterhält und trotzdem nicht versteht.

Es ist auch Abschied vom Schreiben und damit von der Auseinandersetzung mit dem Eigenen. Ich hatte daran viel Freude. Manche Stunde wurde  mir dadurch kurzweilig.

In Marcheprime war es wohl, wo deutlich eine Kirche im Ort stand. Nicht so alt, nicht so schön aber sie hatte etwas. Ihre Tür stand offen und ich war neugierig, wie sie innen aussehen würde. Kaum war ich in ihre schummerige Halle eingetreten, hörte ich die Stimmen der feinen Orgeltöne, vielleicht auch ein anderes Instrument. Dazu erklangen Männerstimmen, die einen Choral(?) zur Musik sangen. Melancholisch, fast schwermütig erfüllte die Musik die Kirche. Ich setzte mich
und lauschte. Die Musik war wie zum Abschied bestellt. Ich konnte nicht verhindern, dass ich von ihr ergriffen wurde. Trauer senkte sich über mich und wie beim Himmel heute, rollten mir auch ein paar Tränen aus den Augenwinkeln. Es hängt mit dem Abschied zusammen aber auch mit dem, was ich "Resterampe" nenne. Dort verbirgt man die Ladenhüter seiner Vergangenheit, die Verletzungen, Kränkungen, die Trauer und all die "schönen Dinge", die niemand gerne haben möchte. In Momenten der Stille werden diese Gefühle z.B. durch Musik angeregt und bringen sich in Erinnerung. Sie lösen sich dann ein wenig und ich weiß, sie schaden nicht.

Beim Mittagsmahl hatte ich Besuch von einem Frosch (?). Er saß auf einem Blatt und war kaum zu
erkennen. Er rührte sich nicht vom Fleck und so konnten wir uns höflich von einander verabschieden.

So ein Straßenrennen auf einer geraden Strecke ist gut für's Vorankommen. Man achtet nicht so sehr auf die Gegend. Langgezogene Dörfer, Werkstätten, Koppeln auf den Pferde stehen, mal ein Stück Wald. Ich war schnell am Flughafen bei Bordeaux. Leider gab es keinen Schalter von Brüssel Air und so konnte ich mein Ticket nicht um den Radtransport erweitern. Also weiter ins Hotel. Für vier Tage habe ich ein geräumiges Zimmer mit Kochnische.

Gefahren: 71,41 km, Dauer: 4:10 h,  Unterwegs:6:57 h,   Gesamt: 1527,37 km (2045,10 km)

...Radwege...



Zum Zentrum fahre ich mit dem Rad ca. 20 Min. Beim Baumarkt, 10 Min. entfernt, habe ich bereits das Verpackungsmaterial für mein allerliebstes Bike gekauft. Jetzt kann ich mir Bordeaux in Ruhe anschauen. Die Kochplatten funktionieren und so konnte ich ein schönes Huhn-Ingwer-Gemüsegericht mit ein paar Tropfen Rotwein "runterspülen".


Sprachkenntnisse

Von Mimizan bis zur Düne von Pyla.
Der Atlantikradweg ist gut zu befahren, es gab selten Grund davon abzuweichen. Auf dem Campingplatz hatte ich einen Plan vom Weg erhalten  und konnte so einige kleinere Umwege über die Straße abkürzen. Es war mäßiger Verkehr.

Der Weg durch die Pinienwälder, die fast ausschließlich Wirtschaftswälder sind, wird immer wieder durch kleine Weiler unterbrochen. Kleine Flüsschen kreuzen ihn oder es sorgen große Seen für Abwechslung. Sie erinnern an unsere Brandenburger Seen mit ihren Kiefern an den Ufern und ihren sandigen Böden, die uns die Eiszeit hinterlassen hat. Immer wieder versuchen Angler ihr Glück. Mancher holt mit geduldig geübter Hand auch 'mal einen Fisch an Land.

Erstaunlich, dass die Erde an manchen Stellen schwarz und fett wirkt. Dort wird Gemüse für den Eigenbedarf angebaut. An einer Stelle spiegelte sich die Erde besonders schwarz. Über fünf Wagenlängen waren Furchen nebeneinander gezogen worden. Einige waren bereits angehäufelt. In den offenen Reihen lagen Kartoffeln im gleichen Abstand. Eine kräftige Frau in blauer Hose und rotem Hemd war mit einer Hackenschaufel dabei, die Kartoffeln mit Boden zu bedecken. Sie lachte als ich hielt und ein Gemüsebeet fotografierte. Ich ging zu ihr, um einen Wunsch für gutes Wachstum zu überbringen. Als ich ihr gegenüberstand und " bon Pomm de Terre" zu ihr sprach  und  mit den Händen eine, einen Kürbis umfassende Bewegung machte, wusste ich, dass meine Sprachkenntnisse hier nicht mehr ausreichen würden, um differenziertes Verstehen zu ermöglichen. Denn im Augenblick meines Sprechens bückte sie sich, um mit dem Spaten ein weiteres Stück Furche zu schließen. Es bot sich mir ein Einblick holder Weiblichkeit, wie ich ihn schon lange nicht  mehr hatte. Sie hob beim Aufrichten drohend die Schaufel und  mit einem Lachen sprudelte sie mir einen Schwall Wörter entgegen. Die Worte Pomme de Terre und Tet konnte ich herausfilterte. Ich verstand, dass sie mir ihre Kartoffeln an den Kopf werfen würde, wen ich nicht schnell verschwinde. Mit den besten Wünschen für gutes Gelingen trat ich den Rückzug an. Aus diesem Grund gibt es nur ein Foto von den Kohlsetzlingen  und das ist auch ganz schön.


Nett war auch die Begegnung mit Joshua und seinem Hund Nero. Beide kommen aus England. Joshua hatte für den Hund extra eine kleine Plattform auf den hinteren Gepäckträger montiert. Auf ihr saß Nero und fuhr mit. Beide wollen Richtung Süden und später über Frankreich, Italien Slowenien....Griechenland usw. wieder zurück nach England radeln (neroandme.com).

Mittagsmahlzeit für Fernradler
Furchtbar sind die blühenden Pinien. Pfeift der Wind durch ihre Zweige fegt er Millionen feinster Pollen aus den Blüten. Die Pollen bilden wirbelnde Fabelwesen über den freien Flächen und belegen Alles mit einem feinen Gelb. Ich musste zwei Mal anhalten, um mir die Augen mit Wasser auszuspülen. Es liegt auch an der Wärme, dass sie im Augenblick so bereitwillig ausschwärmen. Am Nachmittag legte ich mich in den Schatten und
döste fast 30 Minuten.

Die Düne von Pyla ist riesig. Sie wandert und verschluckt dabei nach und nach den Zeltplatz auf dem ich übernachtete. Von oben hat man einen Überblick über die unendlich weit wirkenden Pinienwälder und das Meer. Kein Wunder, dass es hier immer wieder Waldbrände gibt.

Gefahren: 68,72 km;  4:02 h;   unterwegs: 6:12 h;           (1973,69 km)





 

Meeresrauschen

Da ich kein Internet hatte hinken die Beiträge etwas hinterher. Das ist nicht schlimm, denn während der Fahrt schreibe ich alles in meine kleines Buch. Und nun bin ich "nachtragend."
Landstraße D 652
Ich befinde mich auf der Strecke Léon - Mimizan.

Irgendwann bin ich von der D 652 Richtung Meer abgebogen. Irgendein "Plage..." Die ca. 4 km langen Sackgasse endete mit einem riesigen Parkplatz. Was muss hier im Sommer los sein. Jetzt lagen die Parkplatzwächter noch in ihren Betten und  die Fritten- und Eisbuden dachten so langsam ans Aufwachen.

Der Strand hatte trotzdem Besucher. Eine Schar Kinder lernten Surfen. Sie hatten rote Westen an, damit der Lehrer sie auch  nicht verliert. Die Eltern schauten zu. Ein paar Strandläufer/innen und frühe Sonnenanbeter/innen sind auch unterwegs.

Ich sitze am Dünenrand im feinen Sand und lasse die Seele baumeln. Kein Wölkchen trübt des Himmels blau. Rechts und links so weit das Auge reicht Düne und feiner Sand. Eine lichte Briese weht, bei der Sonne eher angenehm. Das Meer bietet ein schönes Schauspiel. Heute kommt es mir wuchtig, wirblig, weich und weit vor.



Es gibt ein helles Grundrauschen als würden kleine gläserne Murmeln ständig aus einem Becher ineinander geschüttet werden. Dazu kommen Variationen wie langgezogenes Sprudeln, klatschendes Wasser und manchmal ein dumpfes Wummern.

Ich denke an meine Eltern, die bei Büsum im Meer bestattet sind.
Ob sie einen Ausflug hierher gemacht haben? Auf dem Weg zum Rad kommen mir junge Burschen mit Surfbrettern unter dem Arm entgegen. Mich freut es, wenn Menschen lustvoll ihrem Sport nachgehen.

Auf der Straße fährt es sich gut. Inzwischen habe ich mitbekommen, dass es parallel zur Straße den Atlantikradweg gibt. Man muss nur den Zeichen folgen und schon ist man hoch im Norden. Er schlängelt sich abseits der Straße durch die unendlichen Pinienwälder und ist einfach zu befahren. Glatt seltene kleine Steigungen, zu dieser Jahreszeit kaum Gegenverkehr.

Atlanticradweg
Die "Gespräche" mit Einheimischen, sind immer wieder beeindruckend und lustig. Die meisten können ein paar Brocken Englisch  und ich ein paar Brocken Französisch. Der ältere Herr bei der Bäckerei fragte nach meiner Gangschaltung. Wie viele Gänge und ob sie empfindlich ist. Ich konnte alles beantworten und wir verabschiedeten uns freundlich. Oder der Mann, den ich am Kreisverkehr anhalten musste, weil ich mir klar war, dass die Richtung nicht stimmt aber kein Hinweis auf die richtige Richtung zu erkennen war.
Am Radweg

Nach dem ich ihm durch die geöffnete Seitenscheibe klar gemacht hatte was ich wollte, stieg er aus und beschrieb mir mehrfach mit unterschiedlichen Worten den Weg. Er nahm sich Zeit und gab sich Mühe, mir verständlich zu machen wo es lang geht. Ich fand den Weg.
Mimizan

Irgendwann wollte ich untergehende Sonne satt haben und fuhr zum Strand von Mimizan. Die Idee hatten noch Andere. Leider war er dann nicht so sensationell aber er war trotzdem schön.

Gefahren: 71,6 km; Zeit: 4:22 h; Unterwegs: 7:41 h;    (1904,97 km)





Dienstag, 14. April 2015

Im Zelt da scheinen die Sterne

Vielen Dank für die Rückmeldungen. Ich lese sie gerne und es macht mir die Fahrt viel leichter.
Exotische Tiere leben in Frankreich
am Straßenrand

Aus Biarritz raus musste ich ein wenig suchen. Dank des Kompass am Garmin ist das nicht so problematisch. Bald hatte ich die richtige Küstenstraße erreicht und konnte beschwingt dahin radeln. Vorher hatte ich einen ganz hübschen Zwischenstop in Bayonne.






Viel Altstadt mit engen Gassen, einer mächtigen Kirche, Fachwerkhäusern mit senkrechtem Ständerwerk die schrägt mit flachen Ziegeln ausgemauert sind. Der Adour fließt zum Meer und teilt die Stadt, über eine alte Brücke halten die beiden Stadthälften Verbindung.

Bei Capbreton kam dann die echte Küstenstraße. Es führt auch der Atlantikradweg nebenher. Eine gut ausgebaute Spur in den kleinen Dörfern manchmal leicht zu verfehlen. Viele Pinienwälder wollen durchradelt werden. Kleine Steigungen und Abfahrten machen die Sache spannend.

Und dann das Wetter: einfach super. Kaum trübt mal ein Wölkchen den Himmel. Gegen  Mittag wird es sommerlich heiß. Unter einer Pinie mache ich Pause und hülle mich in ein Schläfchen.

Nach 67 km bin ich in Leon. Das Dorf liegt an einem See und ein Zeltplatz hat sich schmuck herausgeputzt. Er ist nicht großartig besuch und ich finde eine ruhige Stelle. Vor dem Essen ein Spaziergang. Am Ufer sitzend höre ich den plätschernden Wellen zu. Angeleinte Boote glucksen im Wasser. Ein Ehepaar zieht einen großen Kunststoffschwan aus dem Wasser. Bis vor wenigen Minuten nutzten sie ihn noch als Tretboot.

Nach dem Essenkochen lauschte ich der Stille. Ein paar Kinder bei Spielen sorgten für Abwechslung beim Nachdenken. Auch die kleinen Vögel im Gebüsch waren spannend zu beobachten. Einer hatte einen roten Schwanz und ein Anderer einen richtig roten Höcker auf dem Schnabel. Am tropfenden Wasserhahn war die Abendtoilette der Vögel dran.

Vom Zelt hatte ich die "große Tür" offen gelassen. So konnte ich sehen wie der Himmel die Sterne erweckte. Einer war besonders groß. Wenn ihn jemand zu Hause angesehen hat, so ist ein Gruß von mir gekommen.

Am Morgen weckten mich die Vögel mit ihrem Plauderstündchen. Ein Kukuk und eine Taube waren dabei. Gegen 7:30 sprang ich aus dem Schlafsack, packte ein und fuhr in einen schönen Tag.

Das ist alles ein wenig durcheinander aber bevor hier wieder die Leitung zusammenbricht sende ich aus der Ferne.



Gefahren: 66,99 km;     Ges. Km:  1315,64 km          (1833,37 km)
Zeit gefahren: 4:12 h,   Zeit unterwegs: 7:48 h

Sonntag, 12. April 2015

Sonniger Sonntag

Östl. Strand S. Sebastian
Biarritz Inenstadt
Ist Sylt durch den ständigen Landverlust, der mit Millionen € versucht wird auszugleichen bekannt oder weil in List soviel ehemalige subalterne Beamten Eigentumswohnungen in einem viereckigen Kasten gleich vorne am Strand besitzen? Biarritz ist aus anderen Gründen bekannt. Man merkt es gleich, wenn man in das Städtchen einfährt. Alles schön geordnet. Viel alte Bausubstanz (Gründerzeit?!) und so. Mir fällt auch Klatschpresse, die Reichen und die Schönen ein. Wobei ich zu den Trainierten gehöre.
Wenn ich mal  im L...steige ich dort ab

Über die an diesem Sonntag gut besuchte Promenade wackeln schon mal ein paar goldene Pantöffelchen, zum hochgeschlitzen Kleid getragen. Wer kann, zeigt Körper, wobei bauchfrei bei bestimmter Körperfülle selbst hier nicht gelungen aussieht. Dafür manch gut gewähltes Tuch, dass wie selbstverständlich, den gut gepflegten Körper umspielt.

Das Meer spiegelt den hellblauen Himmel wider. An hellen Stellen wird es zum bekannten Türkis gebrochen. Unaufhörlich strömt es über den Grund und wirft runde Wellen ans Ufer. Die Surfer freut es. Ein wunderschöner Sonntag.

Von San Sebastian ging es gegen 10 Uhr weg. Ich ließ mir Zeit, denn jetzt drängt mich nichts mehr. Gelassen fuhr ich die N 1 Richtung Frankreich. Bei Irun/Hendaye muss ich die Grenze zu Frankreich überschritten haben. Heute merkt man von dem Übertritt nichts mehr. Von da an führte mich der Weg auf der D 912 direkt an der Küste entlang. Ein bisschen rauf und runter aber fabelhaft schön. Blicke übers Meer, über Buchten, kleine Stränden, Wiesen und Weiden.  Bis Ciboure ging das so. Danach war die D 810 dran, die direkt durch Biarritz führt. Morgen folge ich ihr noch ein Stück bis Bayonne und schwenke dann auf Nebenstraße an die Küste ab.

Sabine fragte mich gestern ob ich einsam wäre. Ich musste einen Augenblick nachspüren. Kann ich mir selbst genug sein? Im Augenblick und ganz mathematisch gesehen, kann ich sagen, dass ich zu 3/5 zufrieden bin. Die restlichen 2/5 benötige ich für die Bewegung. Ich habe Zeit, meinen Gedanken Lauf zu lassen. Ich kann fühlen was fehlt und der Frage nachgehen, wie ich das Fehlende erreichen oder ersetzen kann. Das sind ganz schöne Fragen und damit bin ich nicht einsam.

Zwischendurch saß ich im Promenadenlokal und wartete auf ein kleines Bier für 4,10 €. Die Sonne brannte heftig. Ich hätte das Bier besser im Schatten trinken sollen. Zu essen gab es auch erst ab 20:00 Uhr etwas. Auf was ich alles achten sollte...Jedenfalls konnte ich bis zum Horizont schauen und dachte, wenn die Erde nicht rund wäre, gäbe es keinen Horizont. Die Menschen bewegen sich immer außen 'rum. Wir können in den Weltraum fliegen. Was ist in unserem Inneren, können wir dort unsere Fußsohlen beobachten? Ganz schön heiß oder?

Jedenfalls habe ich etwas gegessen und knabbere beim Schreiben die Reste vom portugiesischen Zwieback. Die Satteltaschen müssen ja leichter werden.

Mir hat der Sonntag gut getan und wenn das Wetter noch ein bisschen so bleibt wird es noch ein richtiger Urlaub.
Rund oder eckig... 
Leuchtturm von Biarritz
 


Km heute: 57,65;  Gefahren: 4,21 h,     Ges. Km: 1248,65       (1766,38 km)
Unterwegs: 6:45 h