Dienstag, 7. April 2015

1000 km und mehr.-

Wieder ist der Tag gut zu Ende gegangen. Die Sonne schien am blauen Himmel, die strammen Waden traten in die Pedalen was das Zeug hielt. Und trotzdem, so richtig komme ich nicht voran.

Jetzt sitze ich im Lokal beim Nachtisch und einem Brandy. Den braucht ich bei diesen frischen Temperaturen. Santillana del Mar ist ein schönes altes Städtchen. Der römische Einfluss ist unverkennbar. In gemütlichen 30 Minuten hat man es erkundet. 
Beeindruckend ist die Basilika „Santa Juliana.“ Ein Meister hat die Arbeiten an den Kreuzgewölben beaufsichtigt. Sie sind beeindruckend schwerelos.

Die Straßen sind mit Bruchsteinen gepflastert. Die Schuhe haben sie inzwischen glänzend getreten. Sie laden zum Stolpern ein. Viele Häuser sind mit dem Material der Gegen erbaut. Bruchsteine und Holz prägen ihr Antlitz. Auch das Hostal in dem ich übernachte steht schon lange. Der Wirt hat viele alte Möbel, Bilder und Gegenstände gesammelt und alles zur Schau gestellt. Das Zimmer 


ist groß und ein Bad mit Wanne kann ich heute mein Eigen nennen. 20 €. Eine Heizung gibt es und trotzdem muss wieder die zweite Decke aus dem Schrank helfen.

Bis zum Mittag fuhr ich auf der Bdesstraße N 632 weiter. Sie ist bequem zu fahren und weil parallel die Autobahn verläuft, wenig frequentiert. Gegen Mittag machte ich im sonnigen Windschatten an einem Bach Rast. Ein Gemüsesüppchen (Kartoffel, Porree, Möhre, rt. Paprika, grüner Spargel und ein paar kleine Nudeln) wurden im Topf gar. Der Bach plätscherte leise vor hin. 

Selten flatterten kleine Vögel im Geäst eines Schlehenstrauches.

So gestärkt bog ich von der N-Straße auf eine küstennahe Nebenstraße ab. Landschaftlich wunderschön führte sie oberhalb des Meeres in einem ständigen auf und ab zu meinem Ziel. 187 Meter war die höchste Stelle. Mit zunehmender Erwärmung der „Landmassen“ steigerte sich auch der Wind. Ich war gefordert. Zwei Stunden mit ca. 70 – 80 % Belastung zu fahren und den ständigen Windgeräuschen zu lauschen erfordert Geduld.

Ich radle gleichmäßig von einer Bergkuppe zur Nächsten. Es ist nicht zu ändern. Nur der Langmut mit der Situation bringt den Erfolg. Den Zeitplan habe ich schon längst begraben, denn ich habe die Küstenabschnitte falsch eingeschätzt. Die Landschaft, der Blick zu den schneebedeckten Bergen, die Weite des Meeres oder die Brandung in einer Bucht entschädigen für die Anstrengnug.
Heute habe ich 1000 km überschritten. Es ist immer wieder ein schönes Gefühl. So viel geschafft, so viel gesehen und so viel erlebt. Nicht jede "1000" ist gleich, diese sind besonders, weil sie nicht so einfach zu „erradeln“ waren.
Die Stadt beherbergt eine interessante Kunstaustellung. Sie ist in einem alten Gebäude mit modernem Teil untergebracht und z.Z. Juan Carlos Roman gewidmet. Für die Kunstinteressierten habe ich Bilder und Bildausschnitte fotografiert.
Mal sehen ob mir der Schlaf eine Idee zum Zeitplan bringt. Gute Nacht.




 

...Marienkäfer fliege...
 Heute geradelt:
46,14 km; Gesamt: 1026,49   (1437,14 km)
Zeit i.F.: 4:00h, Zeit unterwegs: 6:41h

2 Kommentare:

  1. Lieber Rüdiger,
    wir wünschen dir noch viel Kraft und die nötige Zeit für die Verwirklichung deines Ziels. Ankommen!
    Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum, wenngleich wir dich natürlich gerne alle zum Geburtstag von Sabine dabei hätten. Vielleicht schaffst du es ja auch. Wir sind auf alle Fälle da und warten .....
    Danke, dass wir an deiner Reise und deinen oft auch sehr persönlichen Eindrücken teilhaben dürfen. Es ist nicht nur beeindruckend sondern auch bewegend. Liebe Grüße aus Rostock!!!

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  2. Das hast du sehr schön in deinem Bericht von gestern gesagt, Rüdiger: "... eine solche Tour ist auch ein Durchradeln des eigenen Lebens."
    Deine Tour könnte also quasi ein eigener "Pilgerweg'" sein, der von keiner maßgeblichen offoiziellen Route abhängig ist, sondern nur von dir.
    Ich wünsche dir ein gutes Weiterradeln.

    Und noch rasch neugierig gefragt: In welcher Galerie hast du denn diese spannenden Bilder gesehen?

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