Sonntag, 5. April 2015

Osterspaziergang

Der Himmel blau, kein Wölkchen trübt ihn. So fängt Ostern gut an. Ich radle auf der N 632 weiter in Richtung Santander. Die Stadt ist durch ihre Bank bekannt. Frische, kalte Meeresluft bewegt Büsche und Bäume. Nach der Karte schlängelt sich die Straße an der Küste entlang und beginnt ganz österlich nicht mit keiner Steigung. Im Kopf ist der letzte Hauch leichter Benommenheit zu fühlen. Wie ich gestern in der Kneipe mitbekam, ist Villaviciosa eine Stadt des Apfel- Champagners und Schnapses. Und von dem hatte ich gestern Gelegenheit zu probieren.
Wie immer ergeben sich solche Situationen wie von selbst. Ich stand an der Theke  und fragte nach einem typischen Getränk der Gegend. Es entstand eine kleine Diskussion zwischen dem Wirt un d den Gästen, in der mehrfach der Name Sidra vorkam.
Die besagte Fabrik
Jedenfalls verstand ich , dass es hier Apfelwein gibt und der Schnaps aus dem Trester sehr vorzüglich sein soll. In der Nähe gebe es eine Fabrik " El Gaitero," in der er gekeltert werde.

Heute am Ostersamstagabend fände eine Kellereiführung statt und ich könne daran teilnehmen. Das lasse ich mir doch nicht entgehen. Einer von den Männer lud mich in seinen alten 2CV und fuhr mich dorthin. Durch das durchgerostete Bodenbleche konnte ich die Schlaglöcher zählen. In der Eingangshalle standen bereits mehrere Leute und unterhielten sich angeregt. Es war eine etwas angespannte Diskussion im Gange. Offensichtlich fand eine Einigung statt und wir wurden in eine Stube mit Tischen und Bänken geführt. Ganz typisch, Weinfässer als Tische, Barhocker, Theke und alte Fotographien an der Wand. Ich hatte ein nettes "Weinfass" erwischt. Dei Nachbarn konnten so gut Englisch wie ich. Die erste Proberunde kam. Noch nicht so sehr im Eichenfass gereift aber schon ganz lecker. Noch ein bisschen heftig im Abgang, mit deutlichem Apfel am Gaumen. Dann kamen die nächsten Proberunden. Ich muss noch dazu sagen, dass ich zwischendurch 8 € bezahlt hatte. Jedenfalls waren die späteren Lagen runder. Der Alkohol stand nicht mehr im Vordergrund. Ein Hauch von Eiche umspielte leicht die Zunge und die Reste von Portwein entfalteten ihren süßlichen Geschmack beim Abgang am Gaumen. Die Farbe wie Bernstein nur klarer.
Die Führung hatte wegen eines Unfalls nicht stattfinden können. Der Kellermeister, Estebar do Catalania war bei der letzten Führung in einer Pfütze ausgerutscht. Die dadurch entstandene Beschleunigung seiner Bewegung konnte er nicht mehr rechtzeitig abfangen. Mit einem, für sein Alter angemessenen, Überschlag sei er in den großen hölzernen Gärbottich geflogen. Ehe er wieder rausgeholt werden konnte, hatte er soviel von dem gegoren Most geschluckt, dass er seinen Namen nicht mehr hätte zusammenhängend aussprechen können. Alle mussten immer wieder herzhaft lachen und es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte den gleichen Zustand erreicht. Nette Leute nahmen  mich mit dem Auto zurück und so kam ich in mein Bett.


Jetzt radle ich an Apfelbaumplantagen vorbei. Sie sehen nicht so aufgeräumt aus wie die des letzten Jahres in Südtirol. Es ist ja auch noch kein richtiger Frühling. Alles ist noch kalt. In der Umgebung der Dörfer sieht es manchmal wie in den Alpen aus. Man hat es hier gut. Rechts das Meer, links die Cordillera...(Alpen). Nicht weit weg von hier ragen sie bis über 2000 Meter auf. Duft von Kuhdung steig mir in die Nase, Kuhglocken läuten.


So richtig möchte mich der Frühling nicht einholen. Nur die Schlehen, Pflaumen  und Mandelbäume zeigen sich in voller Pracht. Wie schön es ist, wenn die frischen Wiesen als Hintergrund für die hellen und rosafarbenen Blüten dienen. Beeindruckend sind auch die hohen Berge, die sich immer wieder ins Bild schieben.

Die Straße hat sich auf Küstenniveau herabgelassen. Ein Fluss hat über die Jahre einen breiten Strand gebildet. Er lädt zum Verweilen ein. Ein großer Parkplatz und eine Surfschule künden von den sommerlichen Aktivitäten. Trotz der Osterspaziergänger wirkt der Ort einladen und hinter einem großen Stein finde ich etwas Windschatten. Es ist Zeit für das Ostermahl. Bald faucht der Kocher und im Topf köchelt eine würzige Gemüsesuppe.
Ich muss feststellen, dass die Qualität spanischen Weißbrotes mit den Tagen erheblich abnimmt. Vier Tage in der Satteltasche sind zu viel. Die Salami, das Gemüse und die Orangen hingegen halten gut durch. Selbst die grünen Bananen reifen bei einem längerer Transport in der Tasche ausgezeichnet.

Bis Ribadesella, einem Touristenort "erster Sahne", muss ich mich noch ein paar Mal heftig gegen den Wind hügelaufwärts stemmen. Meine Hotelsuche endet mitten im Ort. Im Hotel "Covadonga" werde ich von der bestimmt 85 jährigen Patronin (das Wort stimmt nicht!) empfangen. Sie hat sich vornehm zurecht gemacht und kommt mir an einem Gehstock mit silbernem Knauf entgegen. Sie versteht was ich möchte. Bei der Auswahl eines Schlüssel wird sie jedoch unsicher. Der Wirt kommt aus dem Hintergrund und schiebt sie liebenswert aus der Rezeption. Ich finde eine reizende Bleibe für diese Nacht. Das ist mir auch recht so, denn es schieben sich dunkle, böse Wolken über die Berge. Im Regen wollte ich nicht stehen bleiben. Es ist, muss ich nach einem Spaziergang sagen, saukalt. Mein Schlafsack muss her.

Eingangsbereich zu den Schlafstätten



Ganz österlich entspannt bin ich

40,87 km in 3:21 h gefahren, habe damit 920,7 km  ( 1332,37 km) zurückgelegt und war 6 Stunden unterwegs.





1 Kommentar:

  1. Das klingt ja wirklich nach einem juten spannenden Osterspaziergang, inklusive Radeln.
    Wie gut, dass du nicht in den Gär-Bottich gefallen bist, Rüdiger.
    Und - wie immer - schönen Dank für die Fotos.

    Bei uns soll es ja so langsam wärmer werden (Freitag winkt mit 20 Grad!) - und vielleicht wird es jetzt auch bei dir während der Fahrradtouren etwas wärmer und frühlingsfreundlicher.
    DAS wünsch ich dir ... :-)

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