Nach Bilbao hin sind die Schienen der Bahn neben dem Fluss verlegt. Das Wasser spenden die Cordillera Cantabrica. Manchmal ist die Spende maßlos und der Fluss tritt über die Ufer. Wie hoch ist an den Kunststofffolien erkennbar, die sich im Geäst von Bäumen und Sträuchern fest gebissen haben. Der viele andere Plastikschrott an den Ufern und im Unterholz lässt heftige Überschwemmungen vermuten. Nicht hübsch anzusehen aber unvermeidlich!?
Der Zugwagen muss bei diesem Teil nicht so schnaufen, wenn es bergauf geht. Tunnel ermöglichen gelassene Steigungen. So zuckelt und ruckelt der Zug dahin, hält brav an jedem Örtchen. Manchmal ist ein Fahrstuhl zum Bahnhof gebaut. Das Dorf liegt steil unter den Gleisen.
Heute Nacht wachte der zunehmende Mond ein Weile über meinen Schlaf.
Irgendwann schien er mir direkt ins Gesicht. Da war es mit dem Schlaf vorbei. Ich stand auf und machte eine kleine Nachtwanderung. Wenn kaum Licht vorhanden ist, sieht man wie weit es zur Unendlichkeit ist und wie viel Sterne es gibt. Der Große Wagen springt mir immer ins Auge. Er ist das Sternbild meiner Kindheit. Er wurde uns oft erklärt, wenn wir spät mit den Eltern unterwegs waren.
Die Sonne schien hinter den Bergkuppen als ich losfuhr. Je früher, je weniger Wind...Der Berg ließ auf sich warten und dann war es eine kleine Steigung. Dahinter ging es eben und zügig bergab. Es ist wunderbar fast anstrengungslos dahin zu rollen.
| Mein liebstes Verkehrsschild |
Das ging bis Torrelavega so. In einer Bäckerei am Supermarkt gab es Kaffee und frische Brötchen. Frühstückszeit.
Aus dem Städtchen fand ich hinaus, weil mir ein Einheimischer half. Inzwischen verstehe ich, welche Richtung oder welcher Abzweig gemeint ist. Der Wind mein ständiger Begleiter, zeigte, dass er da ist. Die Anstiege hatten es wieder in sich. Bis Santander hatte ich rd. 340 Höhenmeter hinter mir. Die Einfahrt in die Stadt war ernüchternd. Sie wirkte abweisend auf mich. Die geplante Übernachtung tauschte ich in eine Bahnfahrkarte nach Bilbao ein.
Nach dem der Zug die Stadt verlassen hatte, fuhr er durch eine Mittelgebirgslandschaft. Wälder, Wiesen, Flüsse geduckte Dörfer in den Täler oder an den Hängen. An den Ackerstellen hatte der Pflug schwarze Erde nach oben geworfen. Selten sah man die Straße auf der sich Lastwagen steil den Berg hinauf mühten. Die Sonne schien. Ihr gab dem Frühling ein kräftiges Gesicht.
Man denkt ja oft Bekanntes. Flüsse regen mich zum Vergleich mit dem Leben an. Wie z.B., dass man niemals zwei Mal in den gleichen Fluss steigen kann oder "wild und ungezügelt wie das junge Leben." Ich bin wohl eher in Richtung Meer unterwegs, dort wo sich alles auflöst.
Der Hauptbahnhof empfing mich nach 3 1/2 Stunden Zugfahrt. Für dies Strecke hätte ich 2 Tage benötigt.
Nach ein wenig Suchen fand ich eine Pension, in der ich heute und morgen ein Bett habe. Ich freue mich schon auf das Guggenheim-Museum und ein bisschen "Abhängen."
An Rainer Witt: Danke für die netten Zeilen. Sind wir mal mit dem Rad nach Lauenburg gefahren?
Gefahrene Km: 35,95; Zeit dafür: 2,51 h, Km ges.: 1062,41 km (1566,81 km)
Wieder ein so interessanter Bericht von dir, Rüdiger.
AntwortenLöschenEs ist so spannend und schön, dich auf deiner Reise begleiten zu können und durch deine Augen auf Land und Leute zu schauen.
Hmmm - bei Guggenheims in Bilbao gibt es gerade Niki de Saint Phalle. Deren Arbeiten würde ich auch gern mal wiedersehen.
Hab einen guten neuen Tag ...